Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten im Betreu­ungs­ver­fah­ren

Das gemäß § 280 FamFG im Betreu­ungs­ver­fah­ren ein­zu­ho­len­de Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten muss so gefasst sein, dass das Gericht es auf sei­ne wis­sen­schaft­li­che Begrün­dung, sei­ne inne­re Logik und sei­ne Schlüs­sig­keit hin über­prü­fen kann [1].

Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten im Betreu­ungs­ver­fah­ren

Zwar ist die Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens weder im Auf­he­bungs­ver­fah­ren nach § 294 FamFG [2] noch im Ver­fah­ren zur Ver­län­ge­rung der Betreu­ung gemäß § 295 Abs. 1 Satz 2 FamFG obli­ga­to­risch. Wenn aber ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ein­ge­holt wird und das Gericht sei­ne Ent­schei­dung dar­auf stützt, so muss die­ses den for­ma­len Anfor­de­run­gen des § 280 FamFG genü­gen. Das Gut­ach­ten muss daher Art und Aus­maß der Erkran­kung im Ein­zel­nen anhand der Vor­ge­schich­te, der durch­ge­führ­ten Unter­su­chung und der sons­ti­gen Erkennt­nis­se dar­stel­len und wis­sen­schaft­lich begrün­den. Die­se Anfor­de­run­gen an den Inhalt des Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens sol­len gewähr­leis­ten, dass das Gericht sei­ner Pflicht, das Gut­ach­ten auf sei­ne wis­sen­schaft­li­che Begrün­dung, sei­ne inne­re Logik und sei­ne Schlüs­sig­keit hin zu über­prü­fen, nach­kom­men kann. Nur dann ist das Gericht in der Lage, sich eine eige­ne Mei­nung von der Rich­tig­keit der vom Sach­ver­stän­di­gen gezo­ge­nen Schluss­fol­ge­rung zu bil­den [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Novem­ber 2011 – XII ZB 286/​11

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 19.01.2011 – XII ZB 256/​10, FamRZ 2011, 637 Rn. 12 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 02.02.2011 – XII ZB 467/​10, FamRZ 2011, 556 Rn. 9[]
  3. BGH, Beschluss vom 19.01.2011 – XII ZB 256/​10, FamRZ 2011, 637 Rn. 12 mwN[]