Die Ausschlussfrist bei der Betreuervergütung

Die Auss­chlussfrist des § 2 VBVG zur Gel­tend­machung der Betreuervergü­tung begin­nt für den Anspruch auf pauschale Vergü­tung zu dem Zeit­punkt, in dem der Anspruch gemäß § 9 VBVG erst­mals gel­tend gemacht wer­den kann.

Die Ausschlussfrist bei der Betreuervergütung

Mit der herrschen­den Mei­n­ung ist zu Recht davon auszuge­hen, dass die Fün­fzehn-Monats­frist des § 2 VBVG erst nach Ablauf der Drei-Monats­frist des § 9 VBVG begin­nt1.

Nach § 2 VBVG erlis­cht der Vergü­tungsanspruch, wenn er nicht bin­nen fün­fzehn Monat­en nach sein­er Entste­hung beim Gericht gel­tend gemacht wird. Der pauschale Vergü­tungsanspruch kann gemäß § 9 VBVG früh­estens nach Ablauf von jew­eils drei Monat­en für diesen Zeitraum gel­tend gemacht wer­den.

Aus dem Zweck des § 2 VBVG und dem Zusam­men­hang mit der Fäl­ligkeit­sregelung in § 9 VBVG fol­gt, dass der pauschale Vergü­tungsanspruch des Berufs­be­treuers im Sinne von § 2 VBVG zu dem Zeit­punkt entste­ht, in dem er gemäß § 9 VBVG erst­mals gel­tend gemacht wer­den kann.

Grund­sät­zlich entste­ht der Vergü­tungsanspruch zwar mit der vergü­tungspflichti­gen Tätigkeit2 und kann ab diesem Zeit­punkt auch gel­tend gemacht wer­den. Das gilt jedoch nicht für den mit dem zweit­en Betreu­ungsrecht­sän­derungs­ge­setz zum 1. Juli 2005 einge­führten pauschalen Vergü­tungsanspruch des Berufs­be­treuers nach § 5 VBVG, der nicht an eine bes­timmte Tätigkeit des Betreuers anknüpft, son­dern ihm eine von seinem konkreten Arbeit­sein­satz los­gelöste nur von dem Beste­hen der Betreu­ung abhängige pauschale monatliche Vergü­tung zubil­ligt. Dieser Vergü­tungsanspruch, der anknüpfend an die pauschale monatliche Vergü­tung früh­estens am Ende des jew­eili­gen Betreu- ungsmonats entste­hen kön­nte3, ist anders als der Vergü­tungsanspruch nach Zeitaufwand nicht sofort fäl­lig, son­dern kann gemäß § 9 VBVG erst­mals nach Ablauf von jew­eils drei Betreu­ungsmonat­en für diesen Zeitraum gel­tend gemacht wer­den.

Zweck der mit § 2 VBVG über­nomme­nen, bis dahin in § 1836 Abs. 2 Satz 4 BGB geregel­ten, fün­fzehn­monati­gen Auss­chlussfrist für die Gel­tend­machung des Vergü­tungsanspruchs ab dessen Entste­hung ist es, den Betreuer zur zügi­gen Gel­tend­machung sein­er Ansprüche anzuhal­ten, um zu ver­hin­dern, dass Ansprüche in ein­er Höhe auflaufen, die die Leis­tungs­fähigkeit des Betreuten über­fordert, dessen Mit­tel­losigkeit begrün­det und damit eine Ein­trittspflicht der Staatskasse aus­löst, die bei rechtzeit­iger Inanspruch­nahme des Betreuten nicht begrün­det gewe­sen wäre4.

Die Auss­chlussfrist knüpft somit daran an, dass der Betreuer es über einen Zeitraum von fün­fzehn Monat­en ver­säumt hat, seinen Vergü­tungsanspruch gel­tend zu machen. Voraus­set­zung für die Entste­hung des pauschalen Vergü­tungsanspruchs des Betreuers nach § 2 VBVG ist deshalb, eben­so wie für die den Ver­jährungs­be­ginn gemäß § 199 Abs. 1 Nr. 1 BGB aus­lösende Entste­hung des Anspruchs, dass der Anspruch gel­tend gemacht wer­den kann5. Da der pauschale Vergü­tungsanspruch des Berufs­be­treuers gemäß § 9 VBVG erst nach Ablauf eines Abrech­nungsquar­tals gel­tend gemacht wer­den kann, begin­nt die Auss­chlussfrist des § 2 VBVG erst nach Ablauf dieses Zeitraums.

Für diese Ausle­gung von § 2 VBVG spricht auch das Ziel des Geset­zge­bers, mit der Ein­führung der pauschalen Vergü­tung ein Abrech­nungssys­tem zu schaf­fen, das ein­fach und stre­itver­mei­dend ist6. Dieses Ziel wird dadurch erre­icht, dass der Beginn der Auss­chlussfrist stets mit dem Ende des jew­eili­gen Abrech­nungsquar­tals begin­nt. Durch den Gle­ich­lauf der Fris­ten wird ver­mieden, dass das Fam­i­lien­gericht bei der Berech­nung der Vergü­tung für jeden Betreu­ungsmonat geson­dert über­prüfen muss, ob der Anspruch noch beste­ht.

Bun­des­gericht­shof, Beschluss vom 13. März 2013 — XII ZB 26/12

  1. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 12.03.2010 — 25 Wx 82/09; OLG Bran­den­burg, Beschluss vom 08.06.2009 — 11 Wx 84/08; KG Fam­RZ 2009, 456; OLG Köln BtPrax 2009, 80; OLG Dres­den Fam­RZ 2008, 1285; OLG München NJW 2008, 1895; LG Göt­tin­gen Fam­RZ 2008, 92; MünchKomm-BGB/Wa­genitz 6. Aufl. § 2 VBVG Rn. 2; MünchKomm-BGB/Fröschle 6. Aufl. § 9 VBVG Rn. 8; Knit­tel Betreu­ungsrecht Stand 1.09.2012 § 2 VBVG Rn. 17 ff.; Jurgeleit/Maier Betreu­ungsrecht 2. Aufl. § 2 VBVG Rn. 2; Deinert/Lütgens Die Vergü­tung des Betreuers 6. Aufl. Rn. 1724 ff.; Damrau/Zimmermann Betreu­ungsrecht 4. Aufl. § 9 VBVG Rn. 5; Palandt/Götz BGB 72. Aufl. § 2 VBVG Rn. 7; offen gelassen im BGH, Beschluss vom 28.05.2008 XII ZB 53/08 Fam­RZ 2008, 1611 Rn. 32; aA OLG Frank­furt Fam­RZ 2008, 304; Jürgens/Jürgens Betreu­ungsrecht 4. Aufl. § 2 VBVG Rn. 1 []
  2. BGH, Beschlüsse vom 28.05.2008 — XII ZB 53/08 Fam­RZ 2008, 1611 Rn. 29; und vom 25.01.2012 — XII ZB 461/11 Fam­RZ 2012, 627 Rn. 15 []
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 28.05.2008 — XII ZB 53/08, Fam­RZ 2008, 1611 Rn. 30 []
  4. BT-Drucks. 13/7158 S. 23, 27 []
  5. für die Ver­jährung: BGHZ 55, 340 = WM 1971, 385; 73, 363 = NJW 1979, 1550; 79, 176 = NJW 1981, 814; BGH, Beschluss vom 25.01.2012 XII ZB 461/11 Fam­RZ 2012, 627 Rn. 14 ff. []
  6. BT-Drucks. 15/2494 S. 31 []