Der Diplom-Agrar­in­ge­nieur als Berufs­be­treu­er

Mit der Höhe des Stun­den­sat­zes eines Diplo­mAgrar­in­ge­nieurs bei der Betreu­er­ver­gü­tung hat­te sich jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:

Der Diplom-Agrar­in­ge­nieur als Berufs­be­treu­er

Anlass hier­zu waren eine Rei­he von Ver­fah­ren, in denen eine Betreue­rin die Fest­set­zung einer Ver­gü­tung auf Grund­la­ge eines Stun­den­sat­zes von 44 € statt der ihr zuer­kann­ten 27 € erstreb­te. Wie bereits die Vor­in­stan­zen sah aller­dings auch der Bun­des­ge­richts­hof kei­nen Anlass für die Zuer­ken­nung des den höchs­ten Stun­den­sat­zes von 44 € gemäß § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VBVG:

Der von der Betreue­rin im Jah­re 1985 an der Karl­Mar­x­Uni­ver­si­tät Leip­zig erwor­be­ne Stu­di­en­ab­schluss als „Diplo­mAgrar­in­ge­nieur“ recht­fer­tigt gemäß § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VBVG nicht den höchs­ten Stun­den­satz von 44 €.

Die Fra­ge, unter wel­chen Umstän­den ein Berufs­be­treu­er im Ein­zel­fall die Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, die gemäß § 4 Abs. 1 Satz 2 VBVG die Bewil­li­gung einer erhöh­ten Ver­gü­tung recht­fer­ti­gen, obliegt einer wer­ten­den Betrach­tung des Tatrich­ters. Des­sen Wür­di­gung kann im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nur ein­ge­schränkt dar­auf über­prüft wer­den, ob er die maß­ge­ben­den Tat­sa­chen voll­stän­dig und feh­ler­frei fest­ge­stellt und gewür­digt, Rechts­be­grif­fe ver­kannt oder Erfah­rungs­sät­ze ver­letzt und die all­ge­mein aner­kann­ten Maß­stä­be berück­sich­tigt und rich­tig ange­wandt hat [1].

Einer sol­chen Über­prü­fung hält die tatrich­ter­li­che Wür­di­gung des Beschwer­de­ge­richts stand, wonach die abge­schlos­se­ne Hoch­schul­aus­bil­dung der Betreue­rin kei­ne beson­de­ren, für die Füh­rung der Betreu­ung nutz­ba­ren Kennt­nis­se ver­mit­telt hat. Nach Sinn und Zweck des § 4 Abs. 1 Satz 2 VBVG ist ein erhöh­ter Stun­den­satz nicht bereits gerecht­fer­tigt, wenn die Aus­bil­dung gleich­sam am Ran­de auch die Ver­mitt­lung betreu­ungs­re­le­van­ter Kennt­nis­se zum Inhalt hat. Erfor­der­lich ist viel­mehr, dass sie in ihrem Kern­be­reich hier­auf aus­ge­rich­tet ist. Davon ist aus­zu­ge­hen, wenn ein erheb­li­cher Teil der Aus­bil­dung auf die Ver­mitt­lung sol­chen Wis­sens gerich­tet ist und dadurch das erwor­be­ne betreu­ungs­re­le­van­te Wis­sen über ein Grund­wis­sen deut­lich hin­aus­geht. Dies hat das Land­ge­richt mit Blick auf das Aus­bil­dungs­ziel, die Betreue­rin zur Agrar­in­ge­nieu­rin aus­zu­bil­den, und die im Hoch­schul­zeug­nis unter „Abschluss­prü­fun­gen und Bele­ge“ auf­ge­führ­ten Fächer, näm­lich „Mor­pho­lo­gie, Fut­ter­pro­duk­ti­on, Bio­che­mie, Gesund­heits, Arbeits- und Brand­schutz, Maschi­nen­tech­nik, Tie­rernäh­rung, Tier­ge­sund­heits- und Tier­seu­chen­leh­re, Haus­tier­ge­ne­tik und Tier­züch­tung, Rin­der­zucht, Schaf­zucht, Schwei­ne­zucht, Geflü­gel- und Klein­tier­zucht“ ver­neint. Das begeg­net kei­nen recht­li­chen Beden­ken [2] und wird in sei­ner Rich­tig­keit auch nicht durch die von der Rechts­be­schwer­de ange­führ­ten Aus­bil­dungs­in­hal­te (45 Stun­den „sozia­lis­ti­sches Recht“; Grund­kennt­nis­se über Auf­bau von Orga­nen und Gewe­be sowie deren Ent­wick­lung und Funk­ti­ons­wei­se; Grund­la­gen der elek­tro­ni­schen Daten­ver­ar­bei­tung; Lei­tungs­funk­tio­nen) erfolg­reich in Fra­ge gestellt.

Die von der Betreue­rin berufs­be­glei­tend im Jah­re 2005 an der Säch­si­schen Ver­wal­tungs- und Wirt­schafts­aka­de­mie abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung zur „Ver­wal­tungs­Be­triebs­wir­tin (VWA)“ mit einem Gesamt­auf­wand von 956 Stun­den ist bereits von ihrem zeit­li­chen Umfang her weder mit einer abge­schlos­se­nen Hoch­schul­aus­bil­dung im Sinn des § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VBVG [3] noch mit einer abge­schlos­se­nen Leh­re im Sinn des § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 VBVG [4] ver­gleich­bar. Sie begrün­det daher kei­nen erhöh­ten Stun­den­satz für die Betreu­er­ver­gü­tung.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Janu­ar 2014 – XII ZB 525/​13

  1. BGH, Beschluss vom 23.10.2013 – XII ZB 429/​13 FamRZ 2014, 116 Rn. 8 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 23.10.2013 – XII ZB 429/​13 , FamRZ 2014, 116 Rn.19 mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 30.10.2013 – XII ZB 23/​13 FamRZ 2014, 117 Rn. 14 ff.[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 11.12 2013 – XII ZB 383/​12[]