Ver­gü­tung des Vereinsbetreuers

Die von einem Betreu­ungs­ver­ein, der einem aner­kann­ten Ver­band der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge ange­schlos­sen ist, durch sei­ne Ver­eins­be­treu­er erbrach­ten Betreu­ungs­leis­tun­gen sind nach einem Urteil des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts sowohl gegen­über bemit­tel­ten als auch gegen­über mit­tel­lo­sen Per­so­nen steu­er­frei gemäß § 4 Nr. 18 UStG bzw. nach Art. 13 A Abs. 1 Buch­sta­be g) i.V.m. Art. 13 A Abs. 2 Buch­sta­be a) 3. Spie­gel­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG (jetzt: Arti­kel 132 und Arti­kel 133 der Richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem, MwSt­Sys­tRL) [1].

Ver­gü­tung des Vereinsbetreuers

Umsatz­steu­er­frei­heit gemäß § 4 Nr. 18 c) UStG

Die Vor­aus­set­zung des § 4 Nr. 18 Buch­sta­be c) UStG ist erfüllt. Ein Zurück­blei­ben der Ver­gü­tun­gen für Ver­eins­be­treu­er hin­ter den Ver­gü­tun­gen, die an Berufs­be­treu­er aus­ge­zahlt wor­den sind, ist fest­stell­bar, weil ein Ver­eins­be­treu­er im Gegen­satz zu einem Berufs­be­treu­er kei­nen Anspruch auf Ersatz der all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­kos­ten als Bestand­teil des zu bean­spru­chen­den Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruchs hatte. 

Der nach § 4 Nr. 18 Satz 1 Buch­sta­be c) UStG durch­zu­füh­ren­de Preis­ver­gleich setzt vor­aus, dass nach Art und Umfang gleich­ar­ti­ge Leis­tun­gen ent­spre­chen­der Erwerbs­un­ter­neh­men fest­zu­stel­len sind. Hier­von geht das Finanz­ge­richt aus. Die Umsatz­steu­er bleibt bei Vor­nah­me die­ses Preis­ver­gleichs außen vor. 

Ent­schei­dungs­er­heb­lich ist inso­weit, dass Berufs­be­treu­er neben den auf der Grund­la­ge von § 1836 Abs. 2 BGB ermit­tel­ten Stun­den­sät­zen grund­sätz­lich auch einen Auf­wen­dungs­er­satz gem. § 1908 i Abs. 1 BGB i. V. m. § 1835 BGB abrech­nen kön­nen. Für Betreu­ungs­leis­tun­gen eines Ver­eins­be­treu­ers wur­den gemäß § 1908 e Abs. 1 Satz 2 BGB all­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­kos­ten z. B. für Büro­per­so­nal, Mie­te, Hei­zung, Fach­li­te­ra­tur, Fort­bil­dung etc. nicht ersetzt. Auch die Kos­ten für eine Ver­si­che­rung gegen Schä­den, die der Betreu­er dem Betreu­ten zufügt, konn­ten für einen Ver­eins­be­treu­er nicht gel­tend gemacht wer­den, § 1835 Abs. 5 Satz 2 i.V.m. § 1835 Abs. 2 BGB. Dem­ge­gen­über stand den Berufs­be­treu­ern ein Anspruch auf Erstat­tung sowohl von (antei­li­gen) Ver­si­che­rungs­kos­ten nach § 1908 i Abs. 1 i. V. m. § 1835 Abs. 2 BGB als auch (antei­li­gen) all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­kos­ten gemäß § 1908 i Abs. 1 i. V. m. §§ 1835 Abs. 1, 669, 670 BGB zu. 

Auf­grund des iden­ti­schen Ent­gelt­be­griffs in § 4 Nr. 18 Buch­sta­be c) UStG und § 10 Abs. 1 UStG [2] ist der Auf­wen­dungs­er­satz für all­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­kos­ten mit in den Ent­gelt­ver­gleich ein­zu­be­zie­hen. Auch der Ersatz der all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­kos­ten zählt zu dem, was der Leis­tungs­emp­fän­ger auf­wen­den muss, um die Betreu­ungs­leis­tung zu erhal­ten und ist daher Ent­gelt­be­stand­teil i.S.d. § 10 Abs. 1 Satz 2 UStG. Da für die Betreu­ungs­leis­tun­gen der Ver­eins­be­treu­er ein Ersatz all­ge­mei­ner Ver­wal­tungs­kos­ten und Ver­si­che­rungs­kos­ten nicht mög­lich war, blie­ben die Ent­gel­te, die an den Betreu­ungs­ver­ein für die Betreu­ungs­leis­tun­gen sei­ner Ver­eins­be­treu­er bezahlt wur­den, hin­ter den durch­schnitt­lich für gleich­ar­ti­ge Leis­tun­gen von Berufs­be­treu­ern ver­lang­ten Ent­gel­ten zurück. 

Zwar gibt es sach­li­che Grün­de dafür, dass ein Ersatz z.B. von all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­kos­ten bei Betreu­ungs­leis­tun­gen durch Ver­eins­be­treu­er nicht gewährt wird [3]. Für die umsatz­steu­er­li­che Beur­tei­lung spie­len die dort genann­ten Erwä­gun­gen jedoch kei­ne Rol­le. Aus wel­chen Grün­den das Ent­gelt für Betreu­ungs­leis­tun­gen von Ver­eins­be­treu­ern hin­ter dem Ent­gelt der Berufs­be­treu­er zurück­bleibt, ist für den nach § 4 Nr. 18 Buch­sta­be c) UStG anzu­stel­len­den Ent­gelt­ver­gleich uner­heb­lich [4].

Die Höhe der Ent­gelt­dif­fe­renz spielt kei­ne Rol­le. Aus § 4 Nr. 18 Buch­sta­be c) UStG ergibt sich ledig­lich, dass das Ent­gelt für Betreu­ungs­leis­tun­gen von Ver­eins­be­treu­ern hin­ter dem durch­schnitt­lich für gleich­ar­ti­ge Leis­tun­gen von Berufs­be­treu­ern ver­lang­ten Ent­gelt zurück­blei­ben muss. Dies ist nach den obi­gen Aus­füh­run­gen zu beja­hen. Ob die Ent­gel­te für Betreu­ungs­leis­tun­gen der Ver­eins­be­treu­er in einem erheb­li­chen Maße hin­ter den Ent­gel­ten der Berufs­be­treu­er zurück­blei­ben oder nicht, spielt nach § 4 Nr. 18 Buch­sta­be c) UStG kei­ne Rol­le [5]. Eine bestimm­te Min­dest­hö­he der Dif­fe­renz bei den Ent­gel­ten ist gesetz­lich nicht vor­ge­schrie­ben und daher nicht Vor­aus­set­zung für die Steu­er­be­frei­ung [6]. Maß­ge­bend ist allein, dass die Ent­gel­te für Betreu­ungs­leis­tun­gen der Ver­eins­be­treu­er über­haupt hin­ter von Berufs­be­treu­ern ver­lang­ten Ent­gel­ten zurückbleiben.

Berufs­be­treu­er konn­ten die all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs- sowie die Ver­si­che­rungs­kos­ten zusätz­lich abrech­nen. Bei Betreu­un­gen durch Ver­eins­be­treu­er war dies vom Gesetz her nicht mög­lich. Damit ist hin­sicht­lich der Betreu­ung durch einen Ver­eins­be­treu­er eine Ent­gelt­be­schrän­kung i.S.d. § 4 Nr. 18 Buch­sta­be c) UStG anzu­neh­men. Die Betreu­ungs­leis­tun­gen, die der Klä­ger durch sei­ne Ver­eins­be­treu­er inso­weit erbracht hat, sind nach § 4 Nr. 18 UStG steuerfrei. 

Steu­er­frei­heit auf­grund der 6. USt-Richtlinie

Selbst unter Zugrun­de­le­gung einer tat­säch­lich bestehen­den iden­ti­schen Ver­gü­tungs­pra­xis von Berufs- und Ver­eins­be­treu­ern sind die vom Klä­ger erbrach­ten Betreu­ungs­leis­tun­gen umsatz­steu­er­frei gemäß Art. 13 A Abs. 1 Buch­sta­be g) der Richt­li­nie 77/​388/​EWG.

Gemäß Arti­kel 13 Teil A Abs. 1 Buch­sta­be g) der Richt­li­nie 77/​388/​EWG befrei­en die Mit­glied­staa­ten von der Umsatz­steu­er die eng mit der Sozi­al­für­sor­ge und der sozia­len Sicher­heit ver­bun­de­nen Dienst­leis­tun­gen und Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den, ein­schließ­lich der­je­ni­gen der Alten­hei­me, durch Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts oder ande­re von den betref­fen­den Mit­glieds­staa­ten als Ein­rich­tun­gen mit sozia­lem Cha­rak­ter aner­kann­te Einrichtungen. 

Die durch den Betre­ungs­ver­ein mit Hil­fe sei­ner Ver­eins­be­treu­er erbrach­ten Betreu­ungs­leis­tun­gen sind unstrei­tig Dienst­leis­tun­gen, die unmit­tel­bar Aus­druck der Sozi­al­für­sor­ge und der sozia­len Sicher­heit im Sin­ne die­ser Vor­schrift sind. Dar­über hin­aus han­delt es sich beim Klä­ger unstrei­tig wegen sei­ner Zuge­hö­rig­keit zu einem aner­kann­ten Ver­band der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge i.S.d. § 23 Nr. 2 UStDV um eine in Deutsch­land aner­kann­te Ein­rich­tung mit sozia­lem Charakter. 

Die Steu­er­be­frei­ung ist auch nicht nach Arti­kel 13 Teil A Abs. 2 Buch­sta­be b) 2. Spie­gel­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG aus­ge­schlos­sen. Hier­nach kommt eine Steu­er­be­frei­ung z. B. nach Arti­kel 13 Teil A Abs. 1 Buch­sta­be g) der Richt­li­nie 77/​388/​EWG für Leis­tun­gen nicht in Betracht, die im Wesent­li­chen dazu bestimmt sind, der Ein­rich­tung zusätz­li­che Ein­nah­men durch Tätig­kei­ten zu ver­schaf­fen, die in unmit­tel­ba­rem Wett­be­werb mit Tätig­kei­ten von der Mehr­wert­steu­er unter­lie­gen­den gewerb­li­chen Unter­neh­men durch­ge­führt werden. 

Ein Aus­schluss der Steu­er­frei­heit nach Art. 13 Teil A Abs. 2 Buch­sta­be b) 2. Spie­gel­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG ist zu ver­nei­nen, weil zwi­schen Ver­eins­be­treu­ern und Berufs­be­treu­ern kei­ne klas­si­sche Wett­be­werbs­si­tua­ti­on besteht. Nach der Kon­zep­ti­on des BGB sind Betreu­un­gen grund­sätz­lich durch ehren­amt­li­che Betreu­er unent­gelt­lich aus­zu­üben, vgl. z. B. §§ 1908 i Abs. 1, 1836 Abs. 1 BGB. In die­sem Zusam­men­hang haben auch Betreu­ungs­ver­ei­ne, ins­be­son­de­re deren haupt­amt­li­che Mit­ar­bei­ter, die Ver­eins­be­treu­er, neben der Durch­füh­rung von Betreu­un­gen gemäß § 1908 f Abs. 1 Nr. 2 BGB die Auf­ga­be, sich plan­mä­ßig um die Gewin­nung ehren­amt­li­cher Betreu­er zu bemü­hen. Ohne der­ar­ti­ge Tätig­kei­ten der Ver­eins­be­treu­er lie­ße sich das Kon­zept, Betreu­un­gen in ers­ter Linie durch Ehren­amt­li­che aus­füh­ren zu las­sen, nicht durch­set­zen. Nach § 1897 Abs. 6 BGB sol­len berufs­mä­ßi­ge Betreu­er nur dann bestellt wer­den, wenn kei­ne ande­re geeig­ne­te Per­son zur Ver­fü­gung steht, die zur ehren­amt­li­chen Füh­rung der Betreu­ung bereit ist. Hier­aus ergibt sich zum einen, dass in ers­ter Linie ehren­amt­li­che Betreu­er bestellt wer­den sol­len, zum ande­ren, dass der Gesetz­ge­ber einen Wett­be­werb zwi­schen Ver­eins­be­treu­ern und Berufs­be­treu­ern nicht gewollt hat. Berufs­be­treu­er sol­len durch das zustän­di­ge Vor­mund­schafts­ge­richt erst im Fal­le einer Man­gel­si­tua­ti­on bestellt wer­den. Eine der­ar­ti­ge Man­gel­si­tua­ti­on kann i.Ü. im Regel­fall als gege­ben unter­stellt wer­den. So reich­te bzw. reicht bun­des­weit die Zahl von ehren­amt­li­chen Betreu­ern und Ver­eins­be­treu­ern bei wei­tem nicht aus, um die Anzahl der nöti­gen Betreu­un­gen abzu­de­cken; viel­mehr ist ein stei­gen­der Bedarf an Berufs­be­treu­ern ‑unab­hän­gig von der Zahl der Ver­eins­be­treu­er- fest­zu­stel­len. Der Senat geht davon aus, dass die Situa­ti­on im Bezirk des für den Klä­ger zustän­di­gen Amts­ge­richts ver­gleich­bar ist. Neben der gesetz­li­chen Kon­zep­ti­on ergibt sich damit auch aus den tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten, dass Berufs­be­treu­er und Ver­eins­be­treu­er übli­cher­wei­se nicht in Kon­kur­renz zuein­an­der auf dem Markt als Wett­be­wer­ber auftreten.

Die Betreu­ungs­leis­tun­gen der Ver­eins­be­treu­er sind auch nicht „im wesent­li­chen dazu bestimmt…“ i.S.d. Art. 13 Teil A Abs. 2 Buch­sta­be b) 2. Spie­gel­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG, der Ein­rich­tung zusätz­li­che Ein­nah­men zu ver­schaf­fen. Viel­mehr han­delt der Klä­ger bei der Erbrin­gung der Betreu­ungs­leis­tun­gen in unmit­tel­ba­rer Erfül­lung sei­ner Sat­zungs­zwe­cke. Er ist als Betreu­ungs­ver­ein außer­dem gesetz­lich gemäß § 1908 f Abs. 1 Nr. 1 BGB ver­pflich­tet, eine aus­rei­chen­de Zahl geeig­ne­ter pro­fes­sio­nel­ler Mit­ar­bei­ter (Ver­eins­be­treu­er) vor­zu­hal­ten, die neben der Gewin­nung von ehren­amt­li­chen Mit­glie­dern auch kon­kret zur Erbrin­gung von ‑ins­be­son­de­re schwie­ri­gen- Betreu­ungs­leis­tun­gen ein­ge­setzt wer­den [7]. Die Erzie­lung zusätz­li­cher Ein­nah­men ist damit zweit­ran­gig und nur ein Annex zu den sich aus den Sat­zungs­zwe­cken erge­ben­den und vom Gesetz­ge­ber gefor­der­ten Tätigkeiten. 

Die Ent­gelt­be­schrän­kung des § 4 Nr. 18 Satz 1 Buch­sta­be c) UStG ist weder durch die in Betracht kom­men­den Bedin­gun­gen nach Art. 13 Teil A Abs. 2 Buch­sta­be a) 3. Spie­gel­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG noch durch Art. 13 Teil A Abs. 2 Buch­sta­be a) 4. Spie­gel­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG gedeckt. 

Die Bedin­gung des Art. 13 Teil A Abs. 2 Buch­sta­be a) 3. Spie­gel­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG lau­tet: Es müs­sen Prei­se ange­wen­det wer­den, die von den zustän­di­gen Behör­den geneh­migt sind, oder sol­che, die die geneh­mig­ten Prei­se nicht über­stei­gen; bei Tätig­kei­ten, für die eine Preis­ge­neh­mi­gung nicht vor­ge­se­hen ist, müss­ten Prei­se ange­wen­det wer­den, die unter den Prei­sen lie­gen, die von der Mehr­wert­steu­er unter­lie­gen­den gewerb­li­chen Unter­neh­men für ent­spre­chen­de Tätig­kei­ten gefor­dert werden. 

Die­se Rege­lung ist durch den deut­schen Gesetz­ge­ber nur unvoll­stän­dig in natio­na­les Recht umge­setzt wor­den. Zwar geht die umsatz­steu­er­recht­li­che Kom­men­tar­li­te­ra­tur davon aus, dass § 4 Nr. 18 Buch­sta­be c UStG von der Richt­li­nie gedeckt sei [8]. Dabei bleibt jedoch unbe­rück­sich­tigt, dass Art. 13 Teil A Abs. 2 Buch­sta­be a) 3. Spie­gel­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG zwi­schen geneh­mig­ten Prei­sen und sol­chen Tätig­kei­ten unter­schei­det, bei denen eine Preis­ge­neh­mi­gung nicht vor­ge­se­hen ist. Ein Abstands­ge­bot bzw. eine Ent­gelt­be­schrän­kung ist nur bei Prei­sen erlaubt, „für die eine Preis­ge­neh­mi­gung nicht vor­ge­se­hen ist“. Dem­ge­gen­über gilt die Ent­gelt­be­schrän­kung des § 4 Nr. 18 Buch­sta­be c) UStG sei­nem Wort­laut nach ein­schrän­kungs­los. Zwar gestat­tet die Richt­li­nie, den Mit­glieds­staa­ten die Steu­er­be­frei­ung von Fall zu Fall von der Erfül­lung einer oder meh­re­rer der auf­ge­führ­ten Bedin­gun­gen abhän­gig zu machen. Dies geht aber nicht soweit, dass ein­zel­ne Bedin­gun­gen nur zum Teil in natio­na­les Recht über­nom­men wer­den kön­nen. Viel­mehr sind die Mit­glied­staa­ten an den Inhalt der ein­zel­nen Bedin­gun­gen gebun­den [9]. Für die Bedin­gung des Art. 13 Teil A Abs. 2 Buch­sta­be a) 3. Spie­gel­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG ergibt sich dar­aus, dass die Ent­gelt­be­schrän­kung nur in der Wei­se in das natio­na­le Recht eines Mit­glieds­staa­tes über­nom­men wer­den darf, dass geneh­mig­te Prei­se von die­ser Vor­aus­set­zung aus­ge­nom­men wer­den. § 4 Nr. 18 Buch­sta­be c) UStG kann damit nicht auf Art. 13 Teil A Abs. 2 Buch­sta­be a) 3. Spie­gel­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG gestützt werden. 

Bei den in Fra­ge ste­hen­den Ent­gel­ten für die Betreu­ungs­leis­tun­gen der Ver­eins­be­treu­er han­delt es sich um behörd­lich geneh­mig­te Prei­se in die­sem Sin­ne. So wur­de die Höhe der abzu­rech­nen­den Ver­gü­tun­gen im Streit­jahr durch das zustän­di­ge Amts­ge­richt als Vor­mund­schafts­ge­richt bestimmt. Bei Fest­set­zung der Ver­gü­tung durch Rechts­pfle­ger wur­de funk­tio­nal eine Behör­de tätig. Bei Fest­set­zung durch gericht­li­chen Beschluss (vgl. § 16 Abs. 1 ZuSEG) übt das Vor­mund­schafts­ge­richt eine Funk­ti­on aus, die unter Berück­sich­ti­gung des Sinn und Zwecks des Art. 13 Teil A Abs. 2 Buch­sta­be a) 3. Spie­gel­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG mit der einer Behör­de ver­gleich­bar ist. Sinn und Zweck der Vor­schrift ist eine begüns­tig­te Behand­lung staat­lich kon­trol­lier­ter Prei­se. Wenn die Richt­li­nie 77/​388/​EWG hier­für eine behörd­li­che Geneh­mi­gung vor­sieht, kann es erst recht nicht schäd­lich sein, wenn die Kon­troll­tä­tig­keit sogar durch ein Gericht aus­ge­übt wird [6]. Maß­ge­bend ist inso­fern, dass die Ent­gel­te nicht frei kal­ku­lier­bar waren, son­dern von einer staat­li­chen Ein­rich­tung gebil­ligt wor­den sind [10].

Die Ent­gelt­be­schrän­kung des § 4 Nr. 18 Buch­sta­be c) UStG fin­det sei­ne Grund­la­ge auch nicht in der Bedin­gung nach Art. 13 Teil A Abs. 2 Buchst. a) 4. Spie­gel­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG [11]. Hier­nach dür­fen die Befrei­un­gen nicht zu Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen zuun­guns­ten von der Mehr­wert­steu­er unter­lie­gen­den gewerb­li­chen Unter­neh­men führen. 

Abge­se­hen davon, dass im Streit­fall ‑wie bereits aus­ge­führt- eine Wett­be­werbs­si­tua­ti­on zwi­schen Berufs- und Ver­eins­be­treu­ern gar nicht besteht, kann die­se Rege­lung nicht die Grund­la­ge des § 4 Nr. 18 Buch­sta­be c) UStG bil­den. Denn Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen im Sin­ne von Art. 13 Teil A Abs. 2 Buch­sta­be a) 4. Spie­gel­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG trä­ten ins­be­son­de­re bei Ein­hal­tung eines Abstands­ge­bots ver­schärft ein. Gera­de dann, wenn die Wohl­fahrts­ein­rich­tun­gen ihre Betreu­ungs­leis­tun­gen zu nied­ri­ge­ren Ent­gel­ten anbie­ten, dürf­te es – auch durch die Wei­ter­ga­be des Umsatz­steu­er­vor­teils – zu einem ver­schärf­ten Preis­wett­be­werb und zur Ver­drän­gung gewerb­li­cher Anbie­ter kom­men. Die Ein­hal­tung des Abstands­ge­bots wür­de die Wett­be­werbs­si­tua­ti­on zu Las­ten gewerb­li­cher Anbie­ter eher noch verstärken. 

In Art. 13 Teil A Abs. 2 Buch­sta­be a) 3. Spie­gel­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG hat der Richt­li­ni­en­ge­ber aus­drück­lich die Umsatz­steu­er­frei­heit von Dienst­leis­tun­gen, die zu „geneh­mig­ten Prei­sen“ aus­ge­führt wer­den, gesetz­lich ver­an­kert. Nach der Sys­te­ma­tik die­ser Richt­li­ni­en­be­stim­mung muss Art. 13 Teil A Abs. 2 Buch­sta­be a) 3. Spie­gel­strich der Richt­li­nie 77/​388/​EWG im Hin­blick auf eine Ein­schrän­kung der Umsatz­steu­er­be­frei­ung nach der Höhe des ver­lang­ten Ent­gel­tes als die spe­zi­el­le­re Norm ange­se­hen wer­den [12]. Die­ser Aus­le­gung schließt sich das Nie­der­säch­si­sche Finanz­ge­richt in dem vor­lie­gen­den Urteil an, so dass für die Ent­gelt­be­schrän­kung des § 4 Nr. 18 Buch­sta­be c) UStG bei Beur­tei­lung der Steu­er­frei­heit von Betreu­ungs­leis­tun­gen kein Raum verbleibt. 

Nie­der­säch­si­sches Finanz­ge­richt, Urteil vom 14. Janu­ar 2010 – 5 K 162/​09

  1. BFH, Urteil vom 11.03.2009 – XI R 68/​06; BFH/​NV 2009, 1464; BFH, Urteil vom 17.02.2009 – XI R 67/​06; BFHE 224, 183; FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 21.09.2006 – 5 K 4729/​02 U, UR 2007, 576-583[]
  2. Kos­s­ack in: Offerhaus/​Söhn/​Lange, UStG, § 4 Nr. 18, Rz. 32[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 05.07.2000 – XII ZB 58/​97, NJW 2000, 3712[]
  4. vgl. Kos­s­ack in: Offerhaus/​Söhn/​Lange, UStG, § 4 Nr. 18 Rz. 32[]
  5. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 21.09.2006 – 5 K 4729/​02 U, UR 2007, 576-583[]
  6. BFH, Urteil vom 11.03.2009 – XI R 68/​06, BFH/​NV 2009, 1464-1467[][]
  7. Diede­rich­sen in: Palandt, BGB, 69. Aufl., § 1908 f Rz. 3[]
  8. vgl. z.B. Krae­u­sel in: Reiß/​Kraeusel/​Langer, UStG, § 4 Nr. 18 Rz. 7 f[]
  9. vgl. hier­zu auch Hüt­te­mann, UR 2006, 441, 451[]
  10. so auch: Hüt­te­mann, UR 2006, 441, 457[]
  11. vgl. z. B. Kos­s­ack in: Offerhaus/​Söhn/​Lange, UStG, § 4 Nr. 18 UStG, Rz. 35[]
  12. so auch: Hüt­te­mann, UR 2006, 441, 451 f.[]