Kei­ne Rechts­be­schwer­de bei einer erle­dig­ten einst­wei­li­gen Unterbringung

Hat nach Erle­di­gung einer einst­wei­li­gen Maß­nah­me das Beschwer­de­ge­richt über einen Antrag gemäß § 62 FamFG befun­den, so ist auch gegen die­se Ent­schei­dung eine Rechts­be­schwer­de nach § 70 Abs. 4 FamFG nicht statt­haft[1].

Zwar ist gemäß § 70 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2, Satz 2 FamFG die Rechts­be­schwer­de gegen einen Beschluss, der eine Unter­brin­gungs­maß­nah­me anord­net, ohne Zulas­sung statt­haft. Nach § 70 Abs. 4 FamFG gilt dies jedoch nicht für einen Beschluss im Ver­fah­ren über die Anord­nung, Abän­de­rung oder Auf­he­bung einer einst­wei­li­gen Anord­nung. Die­ser Aus­schluss ist schon nach dem Wort­laut der Vor­schrift umfas­send und begrenzt den Instan­zen­zug bezüg­lich sämt­li­cher Ent­schei­dun­gen, wel­che die – mit dem „Haupt­sa­che­ver­fah­ren“ im Sin­ne des § 52 FamFG nicht zu ver­wech­seln­de – Haupt­sa­che im Ver­fah­ren der einst­wei­li­gen Anord­nung betref­fen. Zur Haupt­sa­che des Eil­ver­fah­rens gehö­ren auch die gemäß § 62 FamFG nach Erle­di­gung der einst­wei­li­gen Maß­nah­me zu tref­fen­den Ent­schei­dun­gen[2]. Denn der Gesetz­ge­ber hat mit der Rege­lung in § 70 Abs. 4 FamFG klar zum Aus­druck gebracht, dass einst­wei­li­ge Anord­nun­gen kei­ner recht­li­chen Über­prü­fung im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren unter­wor­fen sein sol­len[3]. Es besteht kein Grund, einem Betei­lig­ten für den Fall der Erle­di­gung der Maß­nah­me abwei­chend von der bewuss­ten Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers eine wei­te­re Rechts­mit­tel­in­stanz zu eröff­nen, die ihm bei deren Fort­dau­er nicht zur Ver­fü­gung gestan­den hätte.

Nicht erfasst von dem Aus­schluss nach § 70 Abs. 4 FamFG sind ledig­lich von der Haupt­sa­che des Eil­ver­fah­rens gelös­te Neben- und Zwi­schen­ent­schei­dun­gen, die kraft beson­de­rer spe­zi­al­ge­setz­li­cher Rege­lung anfecht­bar sind. Hier­zu gehö­ren etwa Ent­schei­dun­gen über die Ver­fah­rens­kos­ten­hil­fe[4], über die Zuläs­sig­keit des Rechts­wegs[5], im Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren[6] oder im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren[7].

Im vor­lie­gen­den Fall wen­det sich die Rechts­be­schwer­de gegen einen sol­chen Beschluss, der die Haupt­sa­che eines Eil­ver­fah­rens (§ 331 FamFG) betrifft. Ob ein Ver­fah­ren über eine einst­wei­li­ge Anord­nung vor­liegt, rich­tet sich allein nach der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung[8]. Das Amts­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung nicht nur als einst­wei­li­ge Anord­nung bezeich­net, son­dern in den Grün­den die nur für eine sol­che Ent­schei­dung gel­ten­de Vor­schrift des § 332 FamFG zur Begrün­dung dafür ange­führt, war­um der Beschluss vor Anhö­rung des Ver­fah­rens­pfle­gers erlas­sen wor­den ist. Zudem hat es ledig­lich auf der Grund­la­ge eines ärzt­li­chen Zeug­nis­ses ent­schie­den und sich dabei ersicht­lich auf § 331 Satz 1 Nr. 2 FamFG gestützt. Hier­nach führt auch der Umstand, dass das Amts­ge­richt in sei­ner Rechts­be­helfs­be­leh­rung feh­ler­haft eine Beschwer­de­frist von einem Monat (§ 63 Abs. 1 FamFG) anstel­le der nach § 63 Abs. 2 Nr. 1 FamFG maß­geb­li­chen Frist von zwei Wochen genannt hat, zu kei­ner ande­ren Ein­ord­nung. Das Beschwer­de­ge­richt ist damit über­ein­stim­mend von einer Ent­schei­dung im Eil­ver­fah­ren aus­ge­gan­gen und hat in die­sem über den Fest­stel­lungs­an­trag der Betrof­fe­nen nach § 62 FamFG befunden.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. Juli 2020 – XII ZB 161/​19

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 11.09.2013 – XII ZA 54/​13 FamRZ 2013, 1878[]
  2. BGH, Beschluss vom 11.09.2013 – XII ZA 54/​13 , FamRZ 2013, 1878 Rn. 6 mwN[]
  3. BGH Beschluss vom 30.03.2017 – V ZB 180/​15 6 mwN[]
  4. BGH, Beschluss vom 18.05.2011 – XII ZB 265/​10 , FamRZ 2011, 1138 Rn. 7[]
  5. vgl. BGH Beschluss vom 09.11.2006 – I ZB 28/​06 , NJW 2007, 1819[]
  6. BGH, Beschluss vom 25.01.2017 – XII ZB 447/​16 , FamRZ 2017, 643 Rn. 5[]
  7. BGH, Beschluss vom 30.09.2015 – XII ZB 635/​14 , FamRZ 2015, 2147 Rn. 6[]
  8. vgl. BGH, Beschluss vom 08.07.2015 – XII ZB 586/​14 , FamRZ 2015, 1877 Rn. 3 ff. mwN[]