Die staat­lich aner­kann­te Heil­päd­ago­gin als Berufs­be­treue­rin

Die Aus­bil­dung zur staat­lich aner­kann­ten Heil­päd­ago­gin an der Fach­schu­le für Heil­päd­ago­gik der Rhei­ni­schen Sozi­al­pfle­ge­ri­schen Fach­schu­len des Land­schafts­ver­ban­des Rhein­land nach vor­an­ge­gan­ge­ner Berufs­aus­bil­dung zur staat­lich aner­kann­ten Erzie­he­rin ist einer abge­schlos­se­nen Aus­bil­dung an einer Hoch­schu­le i.S.v. § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VBVG nicht ver­gleich­bar [1]. Die Bewil­li­gung der nach dem Gesetz geschul­de­ten Ver­gü­tung stellt kei­nen (rechts­wid­ri­gen) Ein­griff in den ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­trieb dar.

Die staat­lich aner­kann­te Heil­päd­ago­gin als Berufs­be­treue­rin

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits [2] ent­schie­den, dass die Aus­bil­dung zur staat­lich aner­kann­ten Heil­päd­ago­gin an der Fach­schu­le für Heil­päd­ago­gik der Rhei­ni­schen Sozi­al­pfle­ge­ri­schen Fach­schu­len des Land­schafts­ver­ban­des Rhein­land in Düs­sel­dorf nach vor­an­ge­gan­ge­ner Berufs­aus­bil­dung zur staat­lich aner­kann­ten Kran­ken­schwes­ter einer abge­schlos­se­nen Aus­bil­dung an einer (Fach)Hochschule nicht ver­gleich­bar ist [3]. Dabei hat der Bun­des­ge­richts­hof Bezug genom­men auf sei­ne Ent­schei­dung vom 18.01.2012 [4], in der er die Grund­sät­ze dafür auf­ge­stellt hat, wann eine Aus­bil­dung einer Hoch­schul­aus­bil­dung im Sin­ne von § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VBVG ver­gleich­bar ist.

Zudem hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass die Fra­ge, ob ein Berufs­be­treu­er im Ein­zel­fall die Vor­aus­set­zun­gen für eine erhöh­te Ver­gü­tung gemäß § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VBVG erfüllt, einer wer­ten­den Betrach­tungs­wei­se des Tatrich­ters unter­liegt. Des­sen Wür­di­gung kann im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nur ein­ge­schränkt dar­auf über­prüft wer­den, ob der Tatrich­ter die maß­ge­ben­den Tat­sa­chen voll­stän­dig und feh­ler­frei fest­ge­stellt und gewür­digt, Rechts­be­grif­fe ver­kannt oder Erfah­rungs­sät­ze ver­letzt und die all­ge­mein aner­kann­ten Maß­stä­be berück­sich­tigt und rich­tig ange­wandt hat [5].

Schließ­lich hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass ein schüt­zens­wer­tes Ver­trau­en des Betreu­ers dar­auf, dass er wei­ter­hin den ihm zuvor im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren zuge­bil­lig­ten Stun­den­satz von 44 € erhält, nicht besteht [6].

Eine Ver­gü­tung mit einem Stun­den­satz von 44 € ist auch nicht aus dem Gesichts­punkt des Ver­trau­ens­schut­zes gebo­ten.

Bezo­gen auf den im Streit ste­hen­den Zeit­raum war der Betreue­rin ohne­hin kei­ne den Stun­den­satz von 33,50 € über­stei­gen­de Ver­gü­tung bewil­ligt wor­den [7].

Soweit sich die Betreue­rin dar­auf beruft, dass sie auch künf­tig auf den ihr in der Ver­gan­gen­heit im Wege der Ver­wal­tungs­an­ord­nung zuge­bil­lig­ten Stun­den­satz der höchs­ten Stu­fe (der­zeit 44 €) auf Grund der jah­re­lan­gen Ver­wal­tungs­pra­xis habe ver­trau­en dür­fen, kann sie ein schutz­wür­di­ges Ver­trau­en hier­aus schon des­halb nicht her­lei­ten, weil sie nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts in der Ver­gan­gen­heit aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den war,

dass die Anwei­sung „ledig­lich im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren erfolgt ist und die Mög­lich­keit einer förm­li­chen Beschluss­fas­sung besteht“.

Im Übri­gen ist die Ver­wal­tungs­an­wei­sung gegen­über einer Fest­set­zung der Ver­gü­tung nach § 292 Abs. 1 FamFG in Ver­bin­dung mit § 168 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 FamFG, die auf Antrag des Betreu­ers oder des Betreu­ten oder von Amts wegen ver­an­lasst wer­den kann, sub­si­di­är. Mit der gericht­li­chen Ent­schei­dung wird die Anwei­sung des Kos­ten­be­am­ten des Gerichts wir­kungs­los [8]. Schon weil es der Betreu­er mit­hin selbst in der Hand hat, einen Fest­set­zungs­an­trag zu stel­len und damit die rechts­ver­bind­li­che Fest­set­zung der Ver­gü­tung für die dem Antrag zugrun­de­lie­gen­den Zeit­räu­me zu erlan­gen, ist eine Hin­weis­pflicht des Gerich­tes ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de nicht gege­ben.

Die Betreue­rin kann auch mit ihrem Ein­wand nicht durch­drin­gen, die aus ihrer Sicht zu gerin­ge Ver­gü­tung stel­le einen Ein­griff in den ein­ge­rich­te­ten und aus­ge­üb­ten Gewer­be­be­trieb dar. Unbe­scha­det der Fra­ge, ob eine zu gerin­ge Ver­gü­tung einen sol­chen Ein­griff, der betriebs­be­zo­gen sein muss, dar­stel­len kann, fehlt es jeden­falls an der erfor­der­li­chen Rechts­wid­rig­keit des Ein­griffs [9]. Denn die ent­spre­chend der gesetz­li­chen Vor­ga­ben fest­ge­setz­te Ver­gü­tung kann kei­nen recht­wid­ri­gen Ein­griff in die von einem Berufs­be­treu­er aus­ge­üb­te Tätig­keit dar­stel­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Dezem­ber 2013 – XII ZB 151/​13

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 24.04.2013 – XII ZB 10/​13[]
  2. BGH, Beschluss vom 24.04.2013 – XII ZB 10/​13[]
  3. zum dor­ti­gen Sach­ver­halt vgl. die Aus­gangs­ent­schei­dung: LG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 13.12 2012 – 25 T 622/​12[]
  4. BGH, Beschluss vom 18.01.2012 – XII ZB 409/​10 FamRZ 2012, 629 Rn. 11[]
  5. BGH, Beschluss vom 18.01.2012 – XII ZB 409/​10 FamRZ 2012, 629 Rn. 8[]
  6. BGH, Beschluss vom 24.04.2013 – XII ZB 10/​13; vgl. auch BGH, Beschluss vom 08.02.2012 – XII ZB 230/​11, mwN[]
  7. vgl. zum Ver­trau­ens­schutz bei einer im Fest­set­zungs­ver­fah­ren nach § 168 FamFG rück­wir­ken­den Über­prü­fung der bereits im Ver­wal­tungs­we­ge bewil­lig­ten Ver­gü­tung: BGH, Beschluss vom 06.11.2013 – XII ZB 86/​13[]
  8. BGH, Beschluss vom 06.11.2013 – XII ZB 86/​13[]
  9. vgl. hier­zu BGHZ 193, 227 = NJW 2012, 2579 Rn. 21 und 27 mwN[]