Der mit­te­lo­se Betreu­te und die Ver­gü­tung des Betreu­ers

Die nach § 5 Abs. 1, 2 VBVG für den monat­li­chen Stun­den­an­satz des Betreu­ers maß­ge­ben­de Fra­ge der Mit­tel­lo­sig­keit ist für den gan­zen Abrech­nungs­mo­nat ein­heit­lich – und zwar nach den Ver­hält­nis­sen zum Ende des Abrech­nungs­mo­nats – zu beur­tei­len.

Der mit­te­lo­se Betreu­te und die Ver­gü­tung des Betreu­ers

Der Berufs­be­treu­er kann nach § 1836 Abs. 1 Satz 2 und 3 BGB eine Ver­gü­tung ver­lan­gen, deren Höhe sich zum einen gemäß § 4 Abs. 1 VBVG nach dem an der Qua­li­fi­ka­ti­on des Betreu­ers ori­en­tier­ten Stun­den­satz (hier gemäß § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 VBVG: 44 €), zum andern an dem von § 5 VBVG pau­scha­lier­ten monat­li­chen Stun­den­an­satz bemisst. Die­ser Stun­den­an­satz beträgt hier gemäß § 5 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 VBVG (Betreu­ung eines nicht in einem Heim leben­den bemit­tel­ten Betreu­ten im sieb­ten bis zwölf­ten Monat der Betreu­ung) sechs Stun­den oder gemäß § 5 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 VBVG (Betreu­ung eines nicht in einem Heim leben­den mit­tel­lo­sen Betreu­ten im sieb­ten bis zwölf­ten Monat der Betreu­ung) fünf Stun­den.

Die danach – für die Wahl des monat­li­chen Stun­den­an­sat­zes – maß­ge­ben­de Fra­ge der Mit­tel­lo­sig­keit des Betreu­ten ist für den gan­zen Abrech­nungs­mo­nat ein­heit­lich zu beur­tei­len. Ent­schei­dend ist dabei die finan­zi­el­le Situa­ti­on des Betreu­ten am Ende des Abrech­nungs­mo­nats. Eine quo­ta­le Auf­tei­lung eines Abrech­nungs­mo­nats in einen Zeit­raum der Bemit­teltheit und einen Zeit­raum der Mit­tel­lo­sig­keit, wie sie der Antrag­stel­ler mit sei­ner Berech­nung erstrebt, kommt nicht in Betracht. Das ergibt sich für den Bun­des­ge­richts­hof aus fol­gen­den Erwä­gun­gen:

Für die Fra­ge der Mit­tel­lo­sig­keit kommt es dar­auf an, ob der Betreu­te in der Lage ist, den Ver­gü­tungs­an­spruch des Betreu­ers voll­stän­dig aus sei­nem Ver­mö­gen oder Ein­kom­men zu zah­len (§ 1836 d Nr. 1 BGB). Die­ser Ver­gü­tungs­an­spruch gelangt aller­dings erst mit dem Ablauf des jewei­li­gen Abrech­nungs­mo­nats und nicht bereits kalen­der­täg­lich zur Ent­ste­hung [1]. Die Fra­ge der Mit­tel­lo­sig­keit lässt sich des­halb ein­deu­tig erst beant­wor­ten, wenn sich die Höhe des Ver­gü­tungs­an­spruchs bestim­men lässt. Das aber ist erst am Ende des Abre­chungs­mo­nats der Fall. Vor die­sem Zeit­punkt ist es jeder­zeit mög­lich, dass der Betreu­te sei­nen gewöhn­li­chen Auf­ent­halt in ein Heim oder aus einem Heim her­aus ver­legt oder dass die berufs­mä­ßi­ge Betreu­ung durch den jewei­li­gen Betreu­er endet mit der Fol­ge, dass sich auch die für den Abrech­nungs­mo­nat zu ver­gü­ten­de Stun­den­zahl ver­än­dert. Eben­so kann – wie hier – wäh­rend des Abrech­nungs­mo­nats auch die Ver­mö­gens­si­tua­ti­on des Betrof­fe­nen Schwan­kun­gen unter­wor­fen sein. Die Mög­lich­keit sol­cher Ver­än­de­run­gen ver­langt es, den Ver­mö­gens­sta­tus des Betreu­ten – bemit­telt oder mit­tel­los – nur ein­heit­lich für gan­ze Abre­chungs­mo­na­te und damit not­wen­dig an deren Ende zu bestim­men.

§ 5 Abs. 4 Satz 2 VBVG steht der hier ver­tre­te­nen Auf­fas­sung nicht ent­ge­gen. Zwar unter­fällt dem Wort­laut der Vor­schrift („Ändern sich Umstän­de, die sich auf die Ver­gü­tung aus­wir­ken, vor Ablauf eines vol­len Monats, so ist der Stun­den­an­satz zeit­an­tei­lig nach Tagen zu berech­nen“) an sich auch auf die vor­lie­gen­de Kon­stel­la­ti­on. In der Begrün­dung des Bun­des­rats­ent­wurfs eines 2. Betreu­ungs­rechts­än­de­rungs­ge­set­zes wer­den als Fäl­le einer nach § 5 Abs. 4 Satz 2 VBVG [2] quo­tier­lich durch­zu­füh­ren­den Monats­ab­rech­nung jedoch nur die Been­di­gung der Betreu­ung, der Wech­sel in der Per­son des Betreu­ers, die Fort­füh­rung einer berufs­mä­ßi­gen Betreu­ung als nun­mehr ehren­amt­li­che Betreu­ung sowie der Umzug des Betreu­ten in ein Heim und aus einem Heim genannt [3]. Das erklärt sich aus dem Umstand, dass die wei­te­re Unter­schei­dung zwi­schen mit­tel­lo­sen und bemit­tel­ten Betreu­ten erst auf die Beschluss­emp­feh­lung des Rechtssaus­schus­ses des Deut­schen Bun­des­ta­ges hin [4] in das Gesetz ein­ge­fügt wor­den ist. Die Fra­ge, ob § 5 Abs. 4 Satz 2 VBVG auch auf den Ein­tritt der Mit­tel­lo­sig­keit wäh­rend des Abrech­nungs­mo­nats ange­wen­det wer­den soll, ist bei die­ser nach­träg­li­chen Ein­fü­gung nicht bedacht wor­den. Sie ist aus den vor­ste­hen­den Über­le­gun­gen zu ver­nei­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Dezem­ber 2010 – XII ZB 170/​08

  1. BGH, Beschluss vom 18.05.2008 – XII ZB 53/​08, FamRZ 2008, 1611, 1612[]
  2. wort­gleich mit § 1908 l Abs. 3 Satz 2 BGB‑E[]
  3. BT-Drs. 15/​2494 S. 34[]
  4. BT-Drs. 15/​4874 S. 19, 31[]