Der Heil­prak­ti­ker als Berufs­be­treu­er – und sei­ne Vergütung

Die tatrich­ter­li­che Fest­stel­lung, dass die Erlaub­nis zur Aus­übung des Berufs des Heil­prak­ti­kers nicht mit einer abge­schlos­se­nen Leh­re im Sin­ne des § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 VBVG aF (jetzt: § 4 Abs. 3 Nr. 1 VBVG) ver­gleich­bar ist, ist für den Bun­des­ge­richts­hof aus Rechts­grün­den nicht zu beanstanden.

Der Heil­prak­ti­ker als Berufs­be­treu­er – und sei­ne Vergütung

Gemäß § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 VBVG (hier: in der bis zum 26.07.2019 gel­ten­den Fas­sung (vgl. Art. 1 § 12 des Geset­zes zur Anpas­sung der Betreuerund Vor­mün­der­ver­gü­tung vom 22.06.2019, BGBl. I S. 866) ) kann der Betreu­er die erhöh­te Ver­gü­tung von 33, 50 € pro Stun­de nur bean­spru­chen, wenn er über beson­de­re Kennt­nis­se ver­fügt, die für die Füh­rung der Betreu­ung nutz­bar sind, und wenn er die­se Kennt­nis­se durch eine abge­schlos­se­ne Leh­re oder eine ver­gleich­ba­re abge­schlos­se­ne Aus­bil­dung erwor­ben hat.

Die Fra­ge, unter wel­chen Umstän­den ein Berufs­be­treu­er im Ein­zel­fall die Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, die gemäß § 4 Abs. 1 Satz 2 VBVG aF die Bewil­li­gung einer erhöh­ten Ver­gü­tung recht­fer­ti­gen, obliegt einer wer­ten­den Betrach­tung des Tatrich­ters. Des­sen Wür­di­gung kann im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nur ein­ge­schränkt dar­auf über­prüft wer­den, ob er die maß­ge­ben­den Tat­sa­chen voll­stän­dig und rechts­feh­ler­frei fest­ge­stellt und gewür­digt, Rechts­be­grif­fe ver­kannt oder Erfah­rungs­sät­ze ver­letzt und die all­ge­mein aner­kann­ten Maß­stä­be berück­sich­tigt und rich­tig ange­wandt hat [1].

Dass das Land­ge­richt Lüne­burg in sei­ner Beschwer­de­ent­schei­dung [2] im hier ent­schie­de­nen Fall die von der Betreue­rin erlang­te Erlaub­nis zur Aus­übung des Berufs der Heil­prak­ti­ke­rin nicht mit einer abge­schlos­se­nen Leh­re im Sin­ne des § 4 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 VBVG aF als ver­gleich­bar erach­tet hat, hält sich für den Bun­des­ge­richts­hof im Rah­men einer zuläs­si­gen tatrich­ter­li­chen Wür­di­gung [3].

Die Erlaub­nis zur Aus­übung des Berufs des Heil­prak­ti­kers wird näm­lich gemäß § 2 Abs. 1 lit. i der ers­ten Durch­füh­rungs­ver­ord­nung zum Heil­prak­ti­ker­ge­setz [4] auf der Grund­la­ge ledig­lich einer ein­ge­schränk­ten Über­prü­fung der Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten des Antrag­stel­lers erteilt, die ergibt, dass die Aus­übung der Heil­kun­de durch den Betref­fen­den kei­ne Gefahr für die Gesund­heit der Bevöl­ke­rung oder für die ihn auf­su­chen­den Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten bedeu­ten würde.

Eine eige­ne staat­li­che Aus­bil­dungsund Prü­fungs­ord­nung besteht nicht. Der Heil­prak­ti­ker muss nur gewis­se per­sön­li­che und sach­li­che Anfor­de­run­gen erfül­len. Durch eine vom Gesund­heits­amt vor­zu­neh­men­de Über­prü­fung, die kei­ne Fach­prü­fung ist, soll ledig­lich aus­ge­schlos­sen wer­den, dass die Aus­übung der Heil­kun­de durch den Betref­fen­den eine Gefahr für die mensch­li­che Gesund­heit dar­stellt [5]. Der Gut­ach­ter­aus­schuss (vgl. inso­weit § 4 Abs. 1 der ers­ten Durch­füh­rungs­ver­ord­nung zum Heil­prak­ti­ker­ge­setz iVm Ziff. 5 der Nie­der­säch­si­schen Richt­li­nie zur Durch­füh­rung des Ver­fah­rens zur Ertei­lung einer Erlaub­nis nach dem Heil­prak­ti­ker­ge­setz [6]. Die Heil­prak­ti­ker­prü­fung ent­spricht dem­nach ledig­lich einer Unbe­denk­lich­keits­prü­fung im Sin­ne der Gefah­ren­ab­wehr und kei­ner Fach­prü­fung im Sin­ne der Fest­stel­lung eines kon­kre­ten Aus­bil­dungs­oder Befähigungsstandes.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Dezem­ber 2019 – XII ZB 129/​19

  1. BGH, Beschluss vom 18.02.2015 XII ZB 563/​14 FamRZ 2015, 845 Rn. 12 mwN[]
  2. LG Lüne­burg, Besc­jöiss vom 11.03.2019 8 T 23/​19 und 8 T 48/​19[]
  3. vgl. auch BGH, Beschluss vom 18.02.2015 XII ZB 563/​14 FamRZ 2015, 845 Rn. 13 mwN[]
  4. BGBl. III, Glie­de­rungs­num­mer 212221, zuletzt geän­dert durch Arti­kel 17f iVm Arti­kel 18 Absatz 4 des Geset­zes vom 23.12 2016, BGBl. I S. 3191[]
  5. BVerwG NJW 1973, 579, 580[]
  6. RdErl. d. MS vom 25.02.2015 40541022/​15, Nds. MBl. Nr. 11/​2015 S. 294, geän­dert durch RdErl. vom 11.07.2016, Nds. MBl. Nr. 29/​2016 S. 806, jetzt in der Fas­sung des RdErl. d. MS vom 01.09.2018 40541022/​15, Nds. MBl.2018 Nr. 31 S. 874) prüft danach nur, ob der Antrag­stel­ler über gewis­se medi­zi­ni­sche Grund­kennt­nis­se ver­fügt, nicht aber, ob er bestimm­te Kennt­nis­se und Erfah­run­gen auf dem Gebiet der Natur­heil­kun­de besitzt ((vgl. BGH Urteil vom 22.04.1999 – I ZR 108/​97 NJW 2000, 870, 871 mwN[]